Gehaltsvergleich · Deutschland · Hi-Tech-Industrie · PDF

Gehaltsvergleich - 40 Jahre Interconsult

Seit 1982 veröffentlicht Interconsult jährlich den Gehaltsvergleich in der Hi-Tech-Industrie.

Der Gehaltsvergleich wird im Januar und Februar des jeweiligen Jahres erstellt und basiert
für 2018 auf Informationen aus 141 Unternehmen, 127 Herstellern und 14 Distributoren.

Der Gehaltsvergleich 2018 wird branchenbezogen unterteilt:

Aktive, passive und elektromechanische Bauelemente, Broadline-Distribution, ASICs,
Mikroprozessorsysteme, Netzwerktechnologie, Computer-Software, Computer-Hardware,
Automatisierungs-technik, EDA, ATE, Messtechnik, Medizin-Elektronik, Geräte und Systeme
zur Halbleiterherstellung sowie kaufmännische Positionen in der Hi-Tech-Industrie.

Der Gehaltsvergleich, in Form einer 29-seitigen digitalen Broschüre, ist zu folgenden Preisen erhältlich:

  • Deutsche Version, 25,00 Euro inkl. MwSt.

  • Englische Version, 35,00 Euro inkl. MwSt.

Gehaltsvergleich hier anfordern



Electronica 2018
Interview mit Corinne Schindelbeck -
Konjunktur und Gehalt

 »Dreieinhalb bis vier Prozent plus werden es schon sein« - Welchen Einfluss hat der Auftragsboom der ersten 9 Monate auf die Gehälter in der Elektronikindustrie? Nachgefragt bei Personalberater Dietrich Graf von Reischach, dessen Unternehmen seit 1982 einen Gehaltsvergleich für die Elektronikindustrie veröffentlicht.

Graf Reischach, haben Sie so ein Jahr wie 2018 schon einmal erlebt in Ihrer Karriere als Personalberater?
Dietrich Graf von Reischach: Nein. So eine Auftragslage bei gleichzeitiger Personalknappheit und regelrechter Verzweiflung über die interne Überlastung der Strukturen wie in den ersten 9 Monaten, das habe ich bislang noch nie erlebt. Es war sehr dramatisch in diesem Jahr.

Lassen Sie uns auf den nächsten Gehaltsvergleich schauen, für den Sie  Informationen aus 141 Unternehmen einholen, darunter 127 Herstellern und 14 Distributoren: Wer sind im nächsten Jahr die größten Gewinner in der Elektronik, und warum?
Dank der eilig voranschreitenden Digitalisierung sehe ich das größte Wachstum im Bereich Sensorik/Messtechnik, in Medizinelektronik, Automotive, Stromversorgung und natürlich auch bei den Bauelementen, vor allem bei den passiven Bauelementen. Die Auftragseingänge der ersten neun Monate waren absolut irre! Die Kunden verschickten ihre Aufträge, aber die Hersteller waren oft nicht mehr in der Lage, diese zeitgerecht abzuwickeln und die hohe Nachfrage zu bedienen. Weil die internen Strukturen im Tagesgeschäft über die Belastungsgrenze beansprucht wurden. 

Hat Personalmangel eine Rolle gespielt?
Auch. Es gab nicht genug qualifizierte Leute, und zusätzliche Leute einzustellen war eine Herausforderung. Ich nenne Ihnen ein paar Beispiele: Hard - und Softwareentwickler: ganz schwierig zu bekommen! Genauso wie Applikations- und Design-Ingenieure im Bereich Sensorik oder Medizinelektronik oder Automation! In manchen Bereichen war es so schlimm, dass die Aufträge nicht mehr angenommen werden konnten, weil man die Lieferung nicht garantieren konnte.

Der Super-Gau.
Ja! Aber das ist passiert.

Mit wieviel Gehaltsplus rechnen Sie denn im nächsten Jahr, angesichts der guten Konjunktur?
Dreieinhalb bis vier Prozent werden es schon sein. Da wir uns noch in der Datenerfassung befinden, können wir nur eine vorsichtige Prognose abgeben. Die größten Zuwächse hatten die Bereiche Aktive Bauelemente – hier rechnen wir mit einem Plus von 4,2% in 2019. Medizinelektronik dürfte 3,9% mehr zahlen und ATE 3,6%. In der Distribution könnte es 3,0% mehr geben, abhängig von Produktportfolio und Lieferfähigkeit. Genauer können wir das aber erst im neuen Jahr sagen, der Gehaltvergleich erscheint wieder Anfang März.

Also so, wie es die letzten Jahre immer war. Kein Ausreißer nach oben?
Da wird sich nicht viel ändern.  

Gab oder gibt es denn überhaupt Verlierer?
Es gab in den letzten 9 Monaten eigentlich keine Verlierer. Allenfalls Bereiche, die nur »normal« gewachsen sind.  

Die Konjunkturprognosen sind für 2019 vom IWF genauso wie von der Bundesregierung gesenkt worden, die Aktienmärkte haben bereits Anfang Oktober weltweit nachgegeben. Die Zeichen stehen auf Abkühlung. Wird das den Arbeitsmarkt ebenfalls abkühlen, oder soll man lieber sagen, entspannen?
Eine Abkühlung würde den Arbeitsmarkt ganz klar entspannen!  Zumindest wird es nicht mehr ganz so hektisch sein, wie in diesem Jahr. Gleichwohl wird weiterhin gesucht werden. Wir registrieren im Vertrieb bereits eine gewisse Zurückhaltung, ob man den Account-Manager wirklich einstellen soll oder besser versucht, die Auftragslage mit dem bisherigen Bestand an Personal zu decken.

Sind das schon erste Anzeichen für Hiring Freeze?
Nicht Hiring Freeze. Eher die Vorstufe: Fahren auf Sicht. Viele warten die Stimmung auf der Electronica ab, was dort passiert und wie erfolgreich sie verläuft.

Die Zeichen stehen auf Transformation, Beispiel Abgasreduktion, Elektromobilität. Schwer vorstellbar, dass in diesem Bereich an Entwicklungsarbeit gespart werden könnte?
Nein, sicherlich nicht. Alles, was im Bereich Zukunftstechnologien ist, wird auch weiterlaufen. Aber wie gesagt, die Voraussagen der letzten Wochen und die weltweiten Unsicherheiten trüben die Stimmung etwas.  

Wie steht es momentan um die Wechselwilligkeit von Ingenieuren?
Die potenziellen Kandidaten sind sehr anspruchsvoll, weil sie um ihre gute Verhandlungsposition wissen. Sie sagen was sie wollen, und was sie nicht wollen. Stark nachgefragt ist zum Beispiel Homeoffice, außerdem muss der potenzielle Arbeitgeber technisch interessant sein, finanziell solide da stehen und zukunftsfähig sein. Alles Faktoren, die nichts mit dem Gehalt zu tun haben. Ein Umzug kommt eigentlich immer weniger in Frage, schon gar nicht, wenn es um offene Stellen in teuren Großstädten wie München oder Frankfurt geht. Wenn man auf diese Vorstellungen der Bewerber eingeht, hat man Chancen, sie zu gewinnen.

Was ist an Vorwürfen dran, die Time to Hire sei zu lang? Dass Kandidatenprofile so lange durch die Abteilungen wandern oder gar stecken bleiben, bis der oder diejenige wieder abspringt? Kann man sich das heute noch leisten?
Das kommt heute vor allem noch in internationalen Unternehmen vor. Wenn die Niederlassungen erst die Zustimmung der Zentrale im Ausland abwarten muss. Diese internationalen Prozesse haben sich nicht verbessert. Wir bemerken das hier bei lokalen Mittelständlern und Großunternehmen hingegen kaum noch, das geht heute Ruckzuck: Ein, vielleicht zwei Gespräche, dann bekommt er oder sie den Vertrag.

Welches Gehalt können Ingenieure beim Jobwechsel aushandeln?
Kompromisse werden schon mal bei stark gesuchten Hard- und Softwareentwicklern und Applikations- oder Designingenieuren gemacht, sofern sie die gewünschte Erfahrung haben, die Produkte kennen und ohne große Einarbeitungszeit anfangen können: Firmenwagen etwa, auch wenn der für die Position normalerweise nicht vorgesehen wäre. Hintergrund für dieser Kompromissbereitschaft ist der der Druck, bestehende Aufträge abwickeln zu können.  

Was kann man als solch ein Top-Kandidat mehr verlangen?
So zwischen 7 und 12 Prozent sind drin. 20 Prozent sind eher ungewöhnlich.

Nicht mehr, angesichts der hohen Nachfrage?
Die Firmen haben eine bestehende Gehaltsstruktur, das ist ihr Handicap. Diese mit Fabelgehältern zu verletzen bringt nur Unzufriedenheit und Ärger bei den langjährigen Mitarbeitern. Und zwar egal ob mit oder ohne Betriebsrat.

Müssen Mitarbeiter eigentlich immer noch zu 120 Prozent passen und sofort einsetzbar sein, wie das in der Vergangenheit trotz guter Konjunktur der Fall war?
Nein, das ist nicht mehr so. Angesicht der enormen Personalknappheit reichen derzeit 50 bis 60 Prozent.Der Rest wird nachgeschult und eingearbeitet. Die Alternative wäre ja, dass man niemanden hat. Wobei viel am Ende auch von der Position abhängt. Manche Firmen haben gar keine Zeit, einarbeiten zu lassen.

Immer mehr ausländische Fachkräfte füllen die Lücke, in manchen Firmen sind bis zu 80 Prozent der Bewerber nicht aus Deutschland. Wie gut klappt das, etwa mit der Sprache?
Wenn die Menschen technisch versiert sind, ist Englisch erst mal ausreichend. Es wird aber vorausgesetzt, dass der oder diejenige gewillt ist, schnell Deutsch zu lernen. Das betrifft Entwicklung, Design und Applikation, nicht aber Field Applikation oder gar Vertrieb. Hier ist Deutsche ein Muss.

Englisch ist doch Ingenieurssprache?
Englisch ist Voraussetzung und wird im Vorstellungsgespräch auch abgefragt, das ist ein wichtiger Teil in fast jedem Interviewprozess.

Wie fit sind die Kandidaten in Englisch?
Die meisten sind zwischen akzeptabel und sehr gut! In wenigen Fällen ist es verbesserungswürdig, ja. Aber man gewährt ihnen die Zeit, sich einzuarbeiten. Die Firmen müssen ja Kompromisse eingehen. Das einer kaum Englisch spricht, ist extrem selten.

Das Interview führte Corinne Schindlbeck

 
 
 
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